Mittwoch, 27. November 2013

Chaos

"Die Leiden des jungen Werthers"

Wie schafft man es, tagtägliche Gedanken auf Papier zu bringen, ohne selbst daran zu verzweifeln. Das war einer meiner ersten Gedanken. Es scheint mir so schwer, wenn nicht sogar unmöglich.  Empfindungen, Emotionen und Beobachtungen fest zu halten, verwirrt mich immer wieder aufs Neue. Genau das hat Goethe in "Die Leiden des jungen Werthers" gemacht. Man verliert sich völlig in der Gefühlswelt der Hauptperson.  Zu Beginn konnte ich dem Roman nicht folgen, denn es hatte Unmengen an Beschreibungen und auch die alte Sprache war  ein Faktor. Mit der Zeit gewöhnte man sich aber daran und der Roman schien mir immer interessanter.
Ich muss zugeben, ich bewundere Goethe dafür, dass es ihm gelang alles Nieder zuschreiben. Ohne Furcht und ohne Scham. 
  Im Anhang wird erklärt, dass Goethes Kollege Jerusalem derjenige war, der im echten Leben Suizid begangen hat. Jerusalem war unglücklich verliebt und auch Goethe hatte ein ähnliches Leid zu tragen. Ich denke der Tod von Jerusalem hat Goethe wachgerüttelt und ihm bewusst gemacht, dass er etwas ändern muss. Auch scheint mir der Briefroman, als eine Art Verarbeitungsprozess. Darin konnte er seine Fantasien über Suizid und Melancholie walten lassen, ohne wirklich die Tat begehen zu müssen. Gut finde ich, dass der Suizid ihm Roman mehr als "Freitod" beschrieben wird, also nicht unbedingt Negativ sein muss.
Jerusalem wurde vor seinem Tod oftmals am Fluss gesichtet. Auch das kommt im Roman vor. Goethe beschreibt Werthers Wunsch, sich am liebsten hinein zu stürzen. Das ist wieder ein Beispiel, dass mir zeigt, wie gut er sich in andere Personen versetzen konnte. Ich denke aber, dass es auch daran lag, dass er an einem ähnlichen Punkt angelangt war.
Müsste ich eine solche Szene beschreiben, würde ich daran verzweifeln es zu erklären. 
Sogar jetzt, wenn ich diesen Post schreibe, fällt es mir schwer mich zu konzentrieren und das Chaos in meinem Kopf zu sortieren.

Der Roman hat mich zeitweise traurig gemacht und ich hatte manchmal wirklich Mitleid mit Werther. Man begleitet ihn Schritt für Schritt in seiner hoffnungslosen Situation und sieht ihm zu, wie er sich verändert. Anfangs war er voller Lebensfreude und von der Natur fasziniert. Am Schluss ist er nur noch einsam, traurig und resigniert. Der Tod scheint ihm der einzige Weg um seinem Leiden zu entkommen.

Während diesem Blog Eintrag, wird mir immer mehr bewusst, dass ich lernen muss mich klarer auszudrücken. Ich musste diesen Post jetzt schon Fünf Mal umändern, dass er einiger massen verständlich wird. 



Kein Song der Woche, aber mein Song des Tages.
DIIV- How long have you known


1 Kommentar:

  1. Zu Beginn und am Ende schreiben Sie darüber, wie schwierig es ist, die eigenen Gedanken, Überlegungen, Wahrnehmungen, Haltungen, Gefühle etc. auszuformulieren. Eine sehr kluge Erkenntnis, die nur haben kann, wer sich die Mühe macht, es zu versuchen und wach und neugierig genug ist, eine gewisse kritische Distanz zu den eigenen Texten zu bewahren oder zu entwickeln. Dass Sie mit der zeit Goethes Sprache nicht mehr als allzu störend empfanden, freut mich, ich hatte Ihnen das zu Beginn in Aussicht gestellt, aber nicht jede erfährt es dann auch so. Die Parallele, dass Werther wie Jerusalem öfter am Fluss sind, ist mir nicht aufgefallen, danke dafür.

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